Expertentipps · Finanzierung

Aus- und Weiterbildung finanzieren: Ihre Fördermöglichkeiten

Lehrjahre sind nicht immer leicht zu finanzieren – doch es gibt viele Hilfen. Ich gebe Ihnen einen Überblick über staatliche Förderungen, Stipendien und steuerliche Vorteile. Ihre passenden Förderungen zeigt mein Förder-Check.

Lehrjahre müssen keine Hungerjahre sein

Ob Ausbildung, Studium oder Weiterbildung: Neben Lehrgangsgebühren, Büchern und Fahrtkosten müssen Sie oft auch Ihren Lebensunterhalt stemmen. Die gute Nachricht: In Deutschland gibt es viele Förderungen – vom BAföG über die Berufsausbildungsbeihilfe bis zum Aufstiegs-BAföG, Bildungsgutschein und zahlreichen Stipendien. Viele davon werden nicht zurückgezahlt oder nur zum Teil.

Welche Förderung für Sie infrage kommt, hängt davon ab, was Sie finanzieren möchten und in welcher Lebenssituation Sie sind. Mein Förder-Check gibt Ihnen eine erste Orientierung, darunter erkläre ich die wichtigsten Wege im Detail. Welcher Bildungsweg überhaupt zu Ihnen passt, zeigt Ihnen mein Weiterbildungs-Wegweiser.

Förder-Check: Welche Förderung passt zu Ihnen?

Zwei kurze Fragen – danach sehen Sie, welche Förderungen Sie sich genauer ansehen sollten.

1. Was möchten Sie finanzieren?

2. Wie ist Ihre Situation?

Wählen Sie oben eine Antwort pro Frage, dann erscheint hier Ihre Übersicht.

Der Förder-Check gibt eine erste Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Ob ein Anspruch besteht, entscheidet die zuständige Stelle.

Bildung ist eine Investition, die Sie nicht allein stemmen müssen.

Persönlich. Wertschätzend. Auf Augenhöhe. Carolin Krohmer

Geld während der Ausbildung

In der dualen Ausbildung verdienen Sie eigenes Geld: Es gilt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, die jährlich angepasst wird – viele Betriebe zahlen nach Tarif deutlich mehr. Reicht das nicht, helfen diese Leistungen.

Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Die Agentur für Arbeit unterstützt Auszubildende in einer betrieblichen Ausbildung, die nicht bei ihren Eltern wohnen. Minderjährige erhalten BAB in der Regel nur, wenn der Betrieb vom Elternhaus zu weit entfernt ist. Die Höhe hängt vom eigenen Einkommen und dem der Eltern ab; BAB ist ein Zuschuss und muss nicht zurückgezahlt werden.

Schüler-BAföG

Für schulische Ausbildungen, etwa an Berufsfachschulen oder Fachschulen, gibt es Schüler-BAföG als vollen Zuschuss. Ob Sie dafür auswärts wohnen müssen, hängt von der Schulart ab. Den Antrag stellen Sie beim Amt für Ausbildungsförderung Ihres Kreises oder Ihrer Stadt, vielerorts auch online über BAföG Digital.

Kindergeld

Ihre Eltern erhalten für Sie in der Regel bis zum 25. Geburtstag weiter Kindergeld, solange Sie in einer Ausbildung oder im Studium sind. Nach einer abgeschlossenen Erstausbildung gilt für eine weitere Ausbildung: Sie dürfen nebenher meist höchstens 20 Stunden pro Woche arbeiten.

Wohngeld und Grundsicherung

Wer eine Ausbildung macht, die dem Grunde nach mit BAföG oder BAB förderfähig ist, hat in der Regel keinen Anspruch auf Wohngeld oder Leistungen zum Lebensunterhalt. Es gibt aber Ausnahmen – zum Beispiel für Auszubildende, die bei den Eltern wohnen. Lassen Sie sich im Einzelfall beraten.

So finanzieren Sie Ihr Studium

BAföG für Studierende

Für ein Studium wird BAföG in der Regel zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Staatsdarlehen gezahlt; die Rückzahlung ist nach oben begrenzt. Die Höhe hängt vom Einkommen der Eltern, gegebenenfalls des Partners und Ihrem eigenen ab. Den Antrag stellen Sie beim Studierendenwerk oder online über BAföG Digital – am besten schon vor Studienbeginn, denn rückwirkend wird nur ab dem Antragsmonat gezahlt.

Studienstarthilfe

Studienanfängerinnen und -anfänger unter 25, die vor dem Studium bestimmte Sozialleistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld bezogen haben, können eine einmalige Studienstarthilfe als Zuschuss erhalten – zum Beispiel für Laptop, Bücher oder den Umzug.

Bildungskredit und Studienkredite

Für Engpässe, etwa in der Abschlussphase, gibt es den zinsgünstigen Bildungskredit des Bundes. Daneben bieten Banken und Bildungsfonds Studienkredite an. Vergleichen Sie Zinsen, Laufzeiten und Rückzahlungsbedingungen genau und leihen Sie nur so viel wie nötig.

Nebenjob und Werkstudententätigkeit

Viele Studierende arbeiten neben dem Studium. Als Werkstudent/in sind Sie bei bis zu 20 Wochenstunden in der Vorlesungszeit sozialversicherungsrechtlich begünstigt. Beziehen Sie BAföG, beachten Sie die Hinzuverdienstgrenzen. Ein Job mit Bezug zum Studium ist zugleich ein Plus im Lebenslauf.

Stipendien: nicht nur für Einserkandidaten

Viele Stipendien berücksichtigen neben Noten auch Engagement, Persönlichkeit und den eigenen Werdegang – etwa wenn Sie als Erste in Ihrer Familie studieren.

Begabtenförderungswerke

Dreizehn vom Bund geförderte Werke – parteinah, kirchlich, gewerkschafts- oder wirtschaftsnah oder weltanschaulich unabhängig – vergeben Stipendien für Studium und Promotion, häufig mit ideeller Förderung wie Seminaren und Netzwerk.

Deutschlandstipendium

Die Hochschulen vergeben es an leistungsstarke und engagierte Studierende. Es wird je zur Hälfte vom Bund und von privaten Förderern finanziert und unabhängig vom Einkommen gezahlt.

Aufstiegs- und Weiterbildungsstipendium

Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung unterstützt Berufserfahrene beim ersten Studium (Aufstiegsstipendium) und junge Fachkräfte mit sehr gutem Ausbildungsabschluss bei Weiterbildungen (Weiterbildungsstipendium).

Passende Stipendien finden Sie zum Beispiel über den Stipendienlotsen des Bundes oder Stipendiendatenbanken im Internet. Für die Bewerbung brauchen Sie meist ein überzeugendes Motivationsschreiben und einen aussagekräftigen Lebenslauf.

Förderung für Weiterbildung, Aufstieg und Umschulung

Gerade wer schon im Beruf steht, hat oft mehr Möglichkeiten als gedacht.

Aufstiegs-BAföG

Für Fortbildungen wie Meister/in, Fachwirt/in, Techniker/in oder Erzieher/in – unabhängig vom Alter, in Voll- oder Teilzeit. Lehrgangs- und Prüfungskosten werden teils als Zuschuss, teils als günstiges Darlehen gefördert; bei bestandener Prüfung wird ein Teil des Darlehens erlassen. In Vollzeit gibt es zusätzlich einen einkommensabhängigen Zuschuss zum Lebensunterhalt.

Bildungsgutschein

Agentur für Arbeit und Jobcenter können Weiterbildungen und Umschulungen über einen Bildungsgutschein fördern – etwa bei Arbeitslosigkeit, drohender Arbeitslosigkeit oder fehlendem Berufsabschluss. Es ist eine Ermessensleistung: Einen pauschalen Anspruch gibt es nicht. Träger und Maßnahme müssen nach AZAV zugelassen sein. Bei gesundheitlichen Gründen sind oft Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaft zuständig – mehr dazu bei der Umschulung.

Qualifizierungschancengesetz

Mit dem Qualifizierungschancengesetz und seinen Weiterentwicklungen kann die Agentur für Arbeit auch Weiterbildungen von Beschäftigten fördern – etwa wenn sich Tätigkeiten durch Digitalisierung oder Strukturwandel verändern. Gefördert werden Lehrgangskosten und unter Umständen ein Zuschuss zum Gehalt; die Höhe richtet sich nach der Betriebsgröße. Voraussetzung sind unter anderem ein zugelassener Träger und eine Mindestdauer der Maßnahme.

Qualifizierungsgeld

Ist in einem Unternehmen ein größerer Teil der Belegschaft vom Strukturwandel betroffen, kann die Agentur für Arbeit während einer Weiterbildung ein Qualifizierungsgeld als Lohnersatz zahlen. Voraussetzung ist unter anderem eine Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag.

Förderung über den Arbeitgeber

Viele Arbeitgeber übernehmen Weiterbildungskosten ganz oder teilweise oder stellen Sie frei – oft in Kombination mit den Förderungen der Agentur für Arbeit. Klären Sie mögliche Rückzahlungsklauseln vorab schriftlich: Sie sind nur wirksam, wenn die Bindungsdauer angemessen ist.

Bildungsurlaub

In fast allen Bundesländern haben Beschäftigte Anspruch auf bezahlte Freistellung für anerkannte Weiterbildungen, meist fünf Arbeitstage pro Jahr. Bayern und Sachsen haben bisher kein entsprechendes Gesetz. Die Kursgebühren tragen Sie in der Regel selbst.

Welche Weiterbildung zu Ihnen passt, lesen Sie in meinem Ratgeber Fort- und Weiterbildung.

Bildungskosten von der Steuer absetzen

Kosten wie Lehrgangs- und Studiengebühren, Fachliteratur, Arbeitsmittel und Fahrtkosten können Sie oft steuerlich geltend machen. Entscheidend ist, um welche Art der Ausbildung es sich handelt.

SituationSteuerliche BehandlungGut zu wissen
Erstausbildung oder Erststudium ohne ArbeitsverhältnisSonderausgaben bis zu 6.000 Euro pro JahrWirkt nur, wenn Sie im selben Jahr steuerpflichtige Einkünfte haben; ein Verlustvortrag ist nicht möglich.
Duale AusbildungWerbungskostenDie Ausbildung findet im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses statt.
Zweitausbildung, Master nach dem Bachelor, AufstiegsfortbildungWerbungskosten in voller HöheAuch ohne Einkünfte sinnvoll: Verluste können in spätere Jahre vorgetragen werden.
Berufliche WeiterbildungWerbungskostenNur der Teil, den Sie selbst tragen – Zuschüsse und Erstattungen werden abgezogen.
Eltern volljähriger KinderAusbildungsfreibetrag von 1.200 Euro pro JahrWenn das Kind auswärts untergebracht ist und Anspruch auf Kindergeld besteht.

Die Angaben dienen der allgemeinen Information (Stand: Oktober 2026) und ersetzen keine Steuerberatung. Verbindliche Auskünfte erhalten Sie beim Finanzamt, bei einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein.

Förderprogramme und Stiftungen für besondere Zielgruppen

Neben den bekannten Förderwegen gibt es eine Vielzahl an Programmen von Bund, Ländern, EU und privaten Stiftungen – zum Beispiel für Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Gründerinnen oder junge Wissenschaftlerinnen. Das Angebot wechselt laufend und unterscheidet sich je nach Bundesland.

Bund & EU

Programme aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF Plus) und von Bundesministerien, etwa MY TURN für Frauen mit Migrationserfahrung auf dem Weg in Ausbildung und Arbeit oder EXIST-Women für Frauen, die gründen möchten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fördert die berufsbezogene Sprachförderung und – auch mit Mitteln aus dem EU-Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) – Projekte für zugewanderte Menschen.

Bundesländer

Jedes Bundesland hat eigene Programme, die meist über die Ministerien für Arbeit, Soziales, Bildung, Integration oder Gleichstellung laufen – teils als Weiterbildungsscheck oder Zuschuss. Rheinland-Pfalz etwa führt eine eigene Förderdatenbank für Frauen. Einige Programme richten sich an Einzelpersonen, andere an Vereine und Träger.

Private Stiftungen

Stiftungen vergeben Stipendien, Zuschüsse oder Projektmittel – etwa filia – die Frauenstiftung, die Gruppen geflüchteter und migrantischer Frauen fördert, ZURÜCKGEBEN – die Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft, oder die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung, die Nachwuchswissenschaftlerinnen mit Kindern bei Betreuung und Haushalt unterstützt.

Mein Tipp: Einen guten Überblick über aktuelle staatliche Programme bietet die Förderdatenbank des Bundes. Wenn Sie einen ausländischen Berufsabschluss haben, informiert das Portal Anerkennung in Deutschland über die Anerkennung und passende Anpassungsqualifizierungen. Prüfen Sie Fristen und Voraussetzungen immer direkt beim jeweiligen Programm, da sich die Bedingungen häufig ändern.

Programme und Stiftungen beispielhaft, ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand: Oktober 2026). Ich stehe in keiner geschäftlichen Verbindung zu den genannten Anbietern.

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Carolin Krohmer, Bewerbungs- und Karrierecoachin

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Welche Aus- oder Weiterbildung passt zu Ihnen, und wie überzeugen Sie bei Arbeitgeber, Bildungsträger oder Stipendiengeber? In meiner Berufs- und Karriereberatung entwickeln wir gemeinsam Ihre Perspektive. Mit einem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) kann die Beratung bei Erfüllung der Voraussetzungen kostenfrei für Sie sein.