Expertentipps · Ausbildung

Die Berufsausbildung: Ihr Start ins Berufsleben

Eine Ausbildung verbindet Lernen mit Praxis und eigenem Einkommen – und öffnet viele Türen für später. Ich zeige Ihnen die Wege, die Berufsgruppen von IHK bis Handwerk und worauf es bei der Bewerbung ankommt.

Praxis, eigenes Geld und viele Perspektiven

Viele junge Menschen denken nach der Schule zuerst an ein Studium – und übersehen dabei, wie viele Chancen eine Ausbildung bietet. Sie lernen vom ersten Tag an in der Praxis, verdienen eigenes Geld und erwerben einen bundesweit anerkannten Berufsabschluss. Weil in vielen Branchen Fachkräfte fehlen, sind die Aussichten auf eine Übernahme oft gut.

Eine Ausbildung ist außerdem keine Sackgasse: Mit einer Aufstiegsfortbildung wie Meister/in oder Fachwirt/in erreichen Sie ein Niveau, das im Deutschen Qualifikationsrahmen dem Bachelor gleichgestellt ist – und auch der Weg ins Studium steht Ihnen offen, mit Berufserfahrung sogar ohne Abitur. Wenn Sie noch überlegen, welcher Weg zu Ihnen passt, hilft Ihnen mein Ratgeber zur Berufswahl.

Duale oder schulische Ausbildung?

Duale Ausbildung

Sie lernen im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule – entweder an ein bis zwei Tagen pro Woche oder im Blockunterricht. Sie haben einen Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb und erhalten eine Ausbildungsvergütung. Die Abschlussprüfung legen Sie in der Regel vor der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer ab. Typisch für kaufmännische, technische und handwerkliche Berufe.

Schulische Ausbildung

Sie werden in Vollzeit an einer Berufsfachschule – in manchen Bundesländern Berufskolleg genannt – ausgebildet und sammeln Praxis in Praktika. Das ist zum Beispiel in vielen Gesundheits-, Sozial- und Assistenzberufen üblich. Je nach Beruf und Schule gibt es keine Vergütung oder es fällt Schulgeld an; in der Pflege wird dagegen eine Vergütung gezahlt.

Eine Ausbildung ist kein kleiner Schritt, sondern ein starkes Fundament für Ihren Weg.

Persönlich. Wertschätzend. Auf Augenhöhe. Carolin Krohmer

Was Sie über die Ausbildung wissen sollten

1

Voraussetzungen

Für eine duale Ausbildung schreibt das Gesetz keinen bestimmten Schulabschluss vor. Viele Betriebe erwarten aber mindestens einen ersten Schulabschluss (Hauptschulabschluss), für manche Berufe einen mittleren Abschluss oder das Abitur. Für schulische Ausbildungen gelten je nach Beruf feste Zugangsvoraussetzungen. Welche Ausbildungsberufe mit Hauptschulabschluss besonders gute Perspektiven bieten, zeigt dieser Überblick bei bizscout.de (öffnet in einem neuen Tab).

2

Dauer und Verkürzung

Die meisten Ausbildungen dauern drei Jahre, einige zwei oder dreieinhalb. Mit Abitur, Fachhochschulreife oder einschlägigen Vorkenntnissen kann die Ausbildungszeit auf gemeinsamen Antrag von Ihnen und dem Betrieb verkürzt werden. Bei sehr guten Leistungen ist zudem eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung möglich.

3

Ausbildung in Teilzeit

Eine duale Ausbildung ist auch in Teilzeit möglich, wenn Betrieb und Auszubildende das vereinbaren – etwa wegen Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder aus anderen Gründen. Die Gesamtdauer verlängert sich dann entsprechend.

4

Vergütung

In der dualen Ausbildung gilt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, die jährlich angepasst wird. Viele Betriebe zahlen – oft nach Tarifvertrag – deutlich mehr. Die Vergütung steigt mit jedem Ausbildungsjahr.

5

Probezeit

Jede Ausbildung beginnt mit einer Probezeit von mindestens einem und höchstens vier Monaten. In dieser Zeit können beide Seiten den Vertrag ohne Angabe von Gründen kündigen.

Das gilt für Sie als Auszubildende oder Auszubildender

Die Rechte und Pflichten in der dualen Ausbildung regelt vor allem das Berufsbildungsgesetz (BBiG), im Handwerk zusätzlich die Handwerksordnung.

Ausbildungsvertrag

Die wesentlichen Inhalte – Beruf, Dauer, Probezeit, Vergütung, Urlaub und Arbeitszeit – werden vor Beginn verbindlich festgehalten. Prüfen Sie den Vertrag in Ruhe, bevor Sie unterschreiben.

Lernen statt nur arbeiten

Der Betrieb muss Ihnen die Inhalte der Ausbildungsordnung vermitteln, Sie für die Berufsschule freistellen und die nötigen Ausbildungsmittel kostenlos zur Verfügung stellen. Ausbildungsfremde Tätigkeiten sind nicht erlaubt.

Ausbildungsnachweis

Sie führen einen Ausbildungsnachweis, früher Berichtsheft genannt – schriftlich oder elektronisch. Er ist Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung.

Schutz für Jugendliche

Sind Sie unter 18, gelten zusätzlich die Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes, etwa zu Arbeitszeiten, Pausen und Urlaub.

Diese Hinweise dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall. Ansprechstellen bei Fragen sind die Ausbildungsberatung Ihrer Kammer und die Berufsschule.

Wer ist für Ihre Ausbildung zuständig?

Für jede duale Ausbildung gibt es eine sogenannte zuständige Stelle. Meist ist das die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer (HWK) – je nachdem, zu welchem Bereich Ihr Ausbildungsbetrieb gehört.

Industrie- und Handelskammer (IHK)

Die IHK ist für die meisten Ausbildungsberufe in Industrie, Handel und Dienstleistung zuständig – von kaufmännischen Berufen über IT und Technik bis zu Gastronomie und Logistik. Sie trägt Ihren Ausbildungsvertrag ins Verzeichnis ein, berät Betriebe und Auszubildende, prüft die Eignung der Ausbildungsbetriebe und nimmt die Zwischen- und Abschlussprüfungen ab.

Handwerkskammer (HWK)

Die Handwerkskammer ist für alle Berufe zuständig, die in der Handwerksordnung geregelt sind – vom Bäckerhandwerk bis zur Zahntechnik. Sie übernimmt dieselben Aufgaben wie die IHK, und in vielen Handwerken nehmen Innungen im Auftrag der Kammer die Gesellenprüfung ab. Nach bestandener Prüfung erhalten Sie den Gesellenbrief.

Freie Berufe

Für Ausbildungen in Praxen und Kanzleien sind die Kammern der jeweiligen Berufe zuständig – etwa die Ärzte-, Zahnärzte-, Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkammer.

Grüne Berufe

Für Landwirtschaft, Gartenbau, Forst und Tierhaltung ist je nach Bundesland die Landwirtschaftskammer oder eine Landesbehörde zuständig.

Öffentlicher Dienst

Für Ausbildungen bei Behörden und Verwaltungen gibt es eigene zuständige Stellen in Bund, Ländern und Kommunen.

Gut zu wissen: Ihre Kammer ist auch während der Ausbildung für Sie da. Bei Fragen zum Ausbildungsvertrag, Problemen im Betrieb oder wenn Sie über einen Wechsel nachdenken, können Sie sich kostenfrei an die Ausbildungsberatung wenden. Viele Kammern betreiben außerdem Lehrstellenbörsen und vermitteln Praktika.

Rund 330 Ausbildungsberufe: die Berufsgruppen im Überblick

In Deutschland gibt es rund 330 anerkannte duale Ausbildungsberufe und zusätzlich zahlreiche schulische Ausbildungen. Die Beispiele zeigen Ihnen, wie vielfältig die Auswahl ist.

Industrie, Handel und Dienstleistung

Kaufmännische Berufe

Kaufmann/-frau für Büromanagement, Industriekaufmann/-frau, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Bankkaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen

Zuständig: IHK

IT und Medien

Fachinformatiker/in, IT-System-Elektroniker/in (öffnet in einem neuen Tab), Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement, Mediengestalter/in Digital und Print

Zuständig: IHK

Industrie und Technik

Industriemechaniker/in, Mechatroniker/in, Elektroniker/in für Betriebstechnik, Chemikant/in, Verfahrensmechaniker/in

Zuständig: IHK

Logistik und Verkehr

Fachkraft für Lagerlogistik, Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung, Berufskraftfahrer/in

Zuständig: IHK

Gastronomie und Tourismus

Koch/Köchin, Hotelfachmann/-frau, Fachmann/-frau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie, Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit

Zuständig: IHK

Handwerk

Im Handwerk sehen Sie jeden Tag, was Sie geschaffen haben. Sie lernen direkt am Werkstück, und in den oft familiengeführten Betrieben übernehmen Sie schnell Verantwortung. Der Fachkräftebedarf ist in vielen Gewerken hoch. Zur Wahrheit gehört aber auch: Manche Handwerksberufe sind körperlich anspruchsvoll, und je nach Gewerk wird bei Wind und Wetter oder auf wechselnden Baustellen gearbeitet – ein Praktikum zeigt Ihnen, ob es passt. Besonders attraktiv sind die Aufstiegsmöglichkeiten: Mit dem Meisterbrief können Sie einen Betrieb führen, selbst ausbilden und sich selbstständig machen.

Bau und Ausbau

Maurer/in, Zimmerer/Zimmerin, Straßenbauer/in, Maler/in und Lackierer/in, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/in

Zuständig: Handwerkskammer

Elektro, Sanitär und Energie

Elektroniker/in, Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Klempner/in

Zuständig: Handwerkskammer

Metall, Holz und Fahrzeug

Metallbauer/in, Feinwerkmechaniker/in, Kfz-Mechatroniker/in, Tischler/in, Bootsbauer/in

Zuständig: Handwerkskammer

Gesundheitshandwerke

Zahntechniker/in, Augenoptiker/in, Hörakustiker/in, Orthopädietechnik-Mechaniker/in

Zuständig: Handwerkskammer

Lebensmittel und Körperpflege

Bäcker/in, Konditor/in, Fleischer/in, Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Friseur/in, Kosmetiker/in

Zuständig: Handwerkskammer

Gestaltung und Mode

Goldschmied/in, Glasbläser/in, Raumausstatter/in, Maßschneider/in, Drechsler/in

Zuständig: Handwerkskammer

Weitere duale Ausbildungen

Praxen und Kanzleien

Medizinische/r Fachangestellte/r, Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r, Tiermedizinische/r Fachangestellte/r, Rechtsanwaltsfachangestellte/r, Steuerfachangestellte/r

Zuständig: Berufskammer bzw. Landesstelle

Grüne Berufe

Landwirt/in, Gärtner/in, Forstwirt/in, Tierwirt/in, Pferdewirt/in

Zuständig: Berufskammer bzw. Landesstelle

Öffentlicher Dienst

Verwaltungsfachangestellte/r, Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste, Sozialversicherungsfachangestellte/r

Zuständig: Berufskammer bzw. Landesstelle

Schulische Ausbildungen

Pflege und Gesundheit

Pflegefachfrau/-mann, Physiotherapeut/in, Ergotherapeut/in, Pharmazeutisch-technische/r Assistent/in, Notfallsanitäter/in

Zuständig: Berufsfachschule bzw. Land

Soziales und Erziehung

Erzieher/in, Sozialassistent/in, Kinderpfleger/in, Heilerziehungspfleger/in (öffnet in einem neuen Tab)

Zuständig: Berufsfachschule bzw. Land

Assistenz und Gestaltung

Kaufmännische/r Assistent/in, Gestaltungstechnische/r Assistent/in, Informationstechnische/r Assistent/in

Zuständig: Berufsfachschule bzw. Land

Die Beispiele sind eine Auswahl. Alle anerkannten Ausbildungsberufe mit Inhalten, Dauer und Voraussetzungen finden Sie zum Beispiel im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit oder beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die Zuständigkeit kann im Einzelfall abweichen, etwa wenn ein Beruf sowohl im Handwerk als auch in der Industrie ausgebildet wird.

So bewerben Sie sich erfolgreich um einen Ausbildungsplatz

Früh beginnen

Viele Betriebe besetzen ihre Ausbildungsplätze etwa ein Jahr vor dem Start, große Unternehmen oft noch früher. Den passenden Zeitplan finden Sie in meinem Ratgeber zur Berufswahl.

Stellen finden

Ausbildungsplätze finden Sie in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, in den Lehrstellenbörsen von IHK und Handwerkskammer, auf Karriereseiten von Unternehmen und auf Ausbildungsmessen. Auch eine Initiativbewerbung kann sich lohnen.

Motivation zeigen

Ohne viel Berufserfahrung zählen Interesse, Praktika, Hobbys und Engagement. Wie Sie das im Anschreiben und Lebenslauf zeigen, erkläre ich in meinen Ratgebern.

Gut vorbereitet ins Gespräch

Informieren Sie sich über den Betrieb und den Beruf und üben Sie typische Fragen. Tipps dazu finden Sie beim Vorstellungsgespräch und beim Dresscode.

Hilfe während der Ausbildung

Assistierte Ausbildung

Wenn es in Berufsschule oder Betrieb einmal hakt, unterstützt die Agentur für Arbeit mit der Assistierten Ausbildung – etwa durch Nachhilfe, Prüfungsvorbereitung oder sozialpädagogische Begleitung.

Finanzielle Hilfen

Reicht die Vergütung nicht zum Leben, können etwa Berufsausbildungsbeihilfe, BAföG für schulische Ausbildungen oder Kindergeld helfen. Alle Details finden Sie unter Aus- und Weiterbildung finanzieren.

Mit Behinderung

Wer aufgrund einer Behinderung oder gesundheitlichen Einschränkung besondere Unterstützung braucht, findet Hilfe bei der Reha-Beratung der Agentur für Arbeit – nach dem Grundsatz „So normal wie möglich, so speziell wie nötig“.

Mehr rund um Aus- und Weiterbildung

Carolin Krohmer, Bewerbungs- und Karrierecoachin

Lassen Sie uns Ihre Bewerbung gemeinsam erstellen

Sie möchten mit einer überzeugenden Bewerbung in Ihre Ausbildung starten? Gerne unterstütze ich Sie mit meiner Bewerbungserstellung, bei der Berufswahl und bei der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch.