Bachelor- und Masterstudium: so planen Sie Ihr Studium
Universität, Hochschule für angewandte Wissenschaften oder duale Hochschule? Bachelor direkt nach der Schule oder Master berufsbegleitend? Ich gebe Ihnen einen Überblick über Aufbau, Zulassung und Bewerbung.
Bachelor und Master: zwei Stufen, viele Möglichkeiten
Ein Studium vermittelt Ihnen wissenschaftliches Arbeiten, Fachwissen und die Fähigkeit, komplexe Probleme selbstständig zu lösen. In Deutschland ist es in zwei Stufen aufgebaut: Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Abschluss, der Master vertieft oder erweitert ihn. Einige Studiengänge wie Medizin, Pharmazie, Rechtswissenschaft und zum Teil das Lehramt enden weiterhin mit einem Staatsexamen.
Ob ein Studium oder eine Ausbildung besser zu Ihnen passt, hängt von Ihren Interessen, Stärken und Zielen ab – einen ausführlichen Vergleich finden Sie in meinem Ratgeber zur Berufswahl. Hier erkläre ich Ihnen, wie das Studium aufgebaut ist, wie Sie einen Studienplatz bekommen und was Sie bei der Wahl Ihres Masters beachten sollten.
So ist das Studium aufgebaut
Meist 6 bis 8 Semester mit 180 bis 240 ECTS-Punkten. Abschlüsse sind zum Beispiel Bachelor of Arts (B.A.), Bachelor of Science (B.Sc.), Bachelor of Engineering (B.Eng.) oder Bachelor of Laws (LL.B.).
Meist 2 bis 4 Semester mit 60 bis 120 ECTS-Punkten. Bachelor und Master zusammen ergeben in der Regel 300 ECTS-Punkte.
Ein Punkt entspricht etwa 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand – inklusive Vorlesungen, Selbststudium und Prüfungsvorbereitung. Ein Vollzeitsemester umfasst rund 30 Punkte.
Die ECTS-Punkte machen Studienleistungen europaweit vergleichbar. Das erleichtert ein Auslandssemester, zum Beispiel mit Erasmus+, oder einen Hochschulwechsel. Ob Leistungen anerkannt werden, entscheidet die aufnehmende Hochschule.
Das passende Studium beginnt mit der Frage, was Sie wirklich begeistert.
Universität, Hochschule für angewandte Wissenschaften oder duales Studium?
Alle staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen verleihen gleichwertige Bachelor- und Masterabschlüsse. Unterschiede gibt es vor allem im Profil.
| Hochschulart | Profil | Passt zu Ihnen, wenn … |
|---|---|---|
| Universität | Theoretisch und forschungsorientiert, breites Fächerangebot inklusive Staatsexamens-Studiengängen; Promotion möglich | Sie Freude an Theorie und Forschung haben oder eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben. |
| Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) | Praxisorientiert, oft kleinere Gruppen und Praxissemester; früher Fachhochschule genannt | Sie Wissen direkt anwenden möchten und eine klare Struktur schätzen. |
| Duale Hochschule / duales Studium | Wechsel zwischen Hochschule und Unternehmen, meist mit Vergütung; ausbildungs- oder praxisintegrierend | Sie früh Geld verdienen und Praxis sammeln möchten – und ein hohes Arbeitspensum nicht scheuen. |
| Kunst- und Musikhochschule | Künstlerische Studiengänge mit Eignungsprüfung | Sie eine künstlerische Begabung mitbringen und diese professionell ausbauen möchten. |
| Fernhochschule und private Hochschule | Flexibel, oft berufsbegleitend, in der Regel mit Studiengebühren | Sie neben Beruf oder Familie studieren möchten. Achten Sie auf staatliche Anerkennung und Akkreditierung. |
So bekommen Sie einen Studienplatz
Hochschulzugangsberechtigung
Mit dem Abitur können Sie alle Fächer studieren, mit der Fachhochschulreife in der Regel an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Auch ohne Abitur ist ein Studium möglich – mehr dazu weiter unten.
Zulassungsfrei oder zulassungsbeschränkt?
Bei zulassungsfreien Studiengängen schreiben Sie sich einfach ein. Bei örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen vergibt die Hochschule die Plätze nach Auswahlkriterien – häufig nach Abiturnote (Numerus clausus), teils auch nach Tests, Auswahlgesprächen oder Berufserfahrung. Der NC ist dabei kein fester Wert, sondern ergibt sich jedes Semester neu aus den Bewerbungen.
Bundesweite Vergabe
Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie werden im zentralen Vergabeverfahren über die Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de) vergeben. Neben der Note zählen dort zum Beispiel Studieneignungstests. Viele weitere Hochschulen koordinieren ihre Zulassung über das Dialogorientierte Serviceverfahren der Stiftung.
Fristen beachten
Für zulassungsbeschränkte Studiengänge endet die Bewerbungsfrist häufig am 15. Juli für das Wintersemester und am 15. Januar für das Sommersemester. Viele Hochschulen haben aber eigene, teils frühere Fristen – vor allem für Master und Studiengänge mit Eignungsprüfung. Prüfen Sie die Termine immer direkt bei Ihrer Wunschhochschule.
Überzeugende Unterlagen
Für viele Auswahlverfahren, duale Studiengänge und Masterprogramme brauchen Sie ein Motivationsschreiben und einen tabellarischen Lebenslauf. Für ein duales Studium bewerben Sie sich zusätzlich – oft mehr als ein Jahr im Voraus – beim Unternehmen.
Mit Ausbildung und Berufserfahrung an die Hochschule
Mit Aufstiegsfortbildung
Wer eine Aufstiegsfortbildung abgeschlossen hat, etwa als Meister/in, Fachwirt/in oder staatlich geprüfte/r Techniker/in, erhält in allen Bundesländern eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung – wie mit dem Abitur.
Mit Ausbildung und Berufserfahrung
Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung – häufig drei Jahre – können Sie in der Regel ein fachlich passendes Studium aufnehmen. Je nach Bundesland und Hochschule kommen eine Eignungsprüfung oder ein Probestudium hinzu.
Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland. Die Studienberatung Ihrer Wunschhochschule sagt Ihnen verbindlich, welche Voraussetzungen gelten. Finanziell unterstützt werden Berufserfahrene zum Beispiel mit dem Aufstiegsstipendium.
Welcher Master passt zu Ihnen?
Konsekutiver Master
Er baut inhaltlich direkt auf Ihrem Bachelor auf und vertieft ihn – zum Beispiel ein Master in Maschinenbau nach einem Bachelor in Maschinenbau. Häufig gibt es eine Mindestnote oder bestimmte Pflichtmodule als Voraussetzung.
Nicht-konsekutiver Master
Er erweitert Ihr Profil um ein neues Fachgebiet, etwa ein Master in Wirtschaftsinformatik nach einem anderen Bachelor. Ideal, wenn Sie sich fachlich verbreitern oder neu ausrichten möchten.
Weiterbildender Master
Er setzt in der Regel mindestens ein Jahr qualifizierte Berufserfahrung voraus und ist oft kostenpflichtig – ein bekanntes Beispiel ist der MBA. Viele Programme sind auf Berufstätige zugeschnitten.
Berufsbegleitend oder in Teilzeit
Viele Hochschulen bieten Master in Teilzeit, mit Wochenendphasen oder als Fernstudium an. So können Sie weiterarbeiten und Ihr Wissen direkt in die Praxis übertragen. Fragen Sie auch Ihren Arbeitgeber nach einer Beteiligung.
Was kostet ein Studium?
Semesterbeitrag
An staatlichen Hochschulen zahlen Sie pro Semester einen Beitrag für Verwaltung, Studierendenwerk und häufig das Semesterticket. Die Höhe unterscheidet sich je nach Hochschule.
Studiengebühren
Für ein Erststudium an staatlichen Hochschulen fallen in den meisten Fällen keine Gebühren an. Ausnahmen gibt es in einzelnen Bundesländern, etwa für ein Zweitstudium, für Langzeitstudierende oder für internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern. Private Hochschulen und weiterbildende Master sind meist kostenpflichtig.
Lebenshaltung
Den größten Posten machen meist Miete und Lebenshaltung aus. Wie Sie das mit BAföG, Stipendien, Nebenjob oder Kredit finanzieren, erkläre ich unter Studium finanzieren.
So nutzen Sie Ihr Studium für den Berufseinstieg
Praxis sammeln
Praktika, Werkstudentenjobs und Projekte mit Unternehmen machen Ihren Lebenslauf stark und helfen Ihnen, Ihr Berufsziel zu schärfen.
Abschlussarbeit strategisch wählen
Eine Bachelor- oder Masterarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen kann der direkte Einstieg in Ihren ersten Job sein.
Zweifel ernst nehmen
Merken Sie, dass das Studium nicht zu Ihnen passt, ist ein Wechsel keine Schande. Viele Betriebe schätzen Studienaussteigerinnen und -aussteiger, und Studienleistungen können eine Ausbildung unter Umständen verkürzen.