Umschulung: Ihr beruflicher Neustart
Ob aus gesundheitlichen Gründen, weil sich Ihre Branche wandelt oder weil Sie etwas Neues suchen: Eine Umschulung führt Sie in verkürzter Zeit zu einem anerkannten Berufsabschluss. Ich zeige Ihnen, wie es geht.
Was ist eine Umschulung?
Eine Umschulung soll laut Berufsbildungsgesetz (§ 1 Abs. 5 BBiG) zu einer anderen beruflichen Tätigkeit befähigen. Sie richtet sich an Erwachsene, die ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können oder wollen – etwa aus gesundheitlichen Gründen, weil ihre Branche sich wandelt, weil es in ihrem Beruf kaum noch Stellen gibt oder weil sie sich bewusst neu orientieren möchten.
Am Ende steht in der Regel derselbe anerkannte Berufsabschluss wie nach einer regulären Ausbildung, zum Beispiel vor der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Weil Sie Lebens- und Berufserfahrung mitbringen, ist die Umschulung aber kompakter und meist um etwa ein Drittel kürzer.
Die wichtigsten Eckdaten
Statt meist drei Jahren Ausbildung – geförderte Umschulungen müssen in der Regel um mindestens ein Drittel verkürzt sein.
Sie legen dieselbe Abschlussprüfung ab wie Auszubildende und erhalten einen vollwertigen Berufsabschluss.
Je nach Situation übernehmen Agentur für Arbeit, Jobcenter, Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaft die Kosten.
Ein beruflicher Neuanfang ist kein Rückschritt, sondern ein mutiger Schritt nach vorn.
Betriebliche oder überbetriebliche Umschulung?
Betriebliche Umschulung
Sie schließen einen Umschulungsvertrag mit einem Unternehmen, lernen dort in der Praxis und besuchen parallel die Berufsschule oder Kurse bei einem Bildungsträger. Der große Vorteil: Sie lernen den Arbeitsalltag von Anfang an kennen und haben gute Chancen, nach dem Abschluss übernommen zu werden.
Überbetriebliche Umschulung
Sie lernen überwiegend bei einem Bildungsträger, zum Beispiel einem Berufsförderungswerk oder einer Akademie, und sammeln in längeren Praktika Erfahrung in Betrieben. Das ist planbar und gut strukturiert – die Praktikumsbetriebe sind zugleich eine wichtige Brücke in den Job.
Viele Umschulungen finden in Vollzeit statt. Je nach Träger gibt es auch Modelle in Teilzeit, zum Beispiel für Eltern oder pflegende Angehörige. Fragen Sie danach, wenn Vollzeit für Sie nicht infrage kommt.
Wer zahlt die Umschulung?
Welche Stelle zuständig ist, hängt vor allem vom Grund für die Umschulung ab. Die Entscheidung über eine Förderung trifft die jeweilige Stelle im Einzelfall.
| Kostenträger | Typische Situation | Form der Förderung |
|---|---|---|
| Agentur für Arbeit | Arbeitslosigkeit, drohende Arbeitslosigkeit oder fehlender Berufsabschluss | Bildungsgutschein; während der Umschulung unter Umständen Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung |
| Agentur für Arbeit mit Arbeitgeber (Qualifizierungschancengesetz) | Sie sind beschäftigt und Ihr Beruf verändert sich, etwa durch Digitalisierung oder Strukturwandel – oder Ihnen fehlt ein Berufsabschluss | Über das Qualifizierungschancengesetz und seine Weiterentwicklungen können Lehrgangskosten und ein Zuschuss zum Gehalt übernommen werden, auch für eine Umschulung neben dem bestehenden Arbeitsverhältnis. Die Höhe richtet sich nach der Betriebsgröße; Ihr Arbeitgeber muss mitziehen. |
| Jobcenter | Sie beziehen Grundsicherungsleistungen | Bildungsgutschein; Leistungen zum Lebensunterhalt laufen in der Regel weiter |
| Deutsche Rentenversicherung | Sie können Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben | Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, unter Umständen Übergangsgeld |
| Berufsgenossenschaft / Unfallkasse | Folge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit | Berufliche Rehabilitation inklusive Übergangsgeld |
| BAföG / Aufstiegs-BAföG | Sie machen eine schulische Ausbildung, zum Beispiel an einer Berufs- oder Fachschule | BAföG fördert in der Regel nur die erste Ausbildung; für eine zweite nur in Ausnahmefällen, und bei Beginn dürfen Sie meist nicht älter als 45 sein. Fachschulabschlüsse wie Erzieher/in oder staatlich geprüfte/r Techniker/in fördert das Aufstiegs-BAföG – unabhängig vom Alter. |
| Bundesländer | Sie bilden sich als Beschäftigte/r auf eigene Initiative weiter | Einige Länder haben eigene Programme, etwa Qualifizierungs- oder Bildungsschecks mit Zuschüssen zu den Kursgebühren. Bedingungen und Laufzeiten unterscheiden sich stark. |
| Stiftungen und Programme | Ergänzend, wenn andere Förderungen nicht greifen oder nicht reichen | Stiftungen fördern eine Umschulung eher selten, aber manchmal ergänzend – etwa für bestimmte Zielgruppen wie Frauen, Alleinerziehende oder Menschen mit Migrationsgeschichte. Häufiger sind Zuschüsse für Lernmittel oder Kinderbetreuung. |
| Selbst oder mit Arbeitgeber | Sie möchten sich aus eigenem Antrieb neu orientieren | Eigene Finanzierung, Beteiligung des Arbeitgebers, steuerliche Absetzbarkeit |
Bei geförderten Umschulungen über Agentur für Arbeit oder Jobcenter können zusätzlich ein monatliches Weiterbildungsgeld und Prämien für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen infrage kommen. Ob und in welcher Höhe, klären Sie am besten direkt mit Ihrer Beratungsfachkraft. Einen Überblick über alle Förderwege – inklusive einer Auswahl an Programmen und Stiftungen – finden Sie in meinem Ratgeber Aus- und Weiterbildung finanzieren. Passende Stiftungen finden Sie außerdem über die Stiftungssuche des Bundesverbands Deutscher Stiftungen und die Förderdatenbank des Bundes.
Diese Hinweise dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Rechts- oder Förderberatung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte erhalten Sie bei der jeweils zuständigen Stelle.
So kommen Sie zu Ihrer Umschulung
Standort bestimmen
Was können Sie gut, was interessiert Sie, welche Rahmenbedingungen haben Sie? Und welche Berufe haben in Ihrer Region Zukunft? Diese Fragen sollten Sie vor allem anderen klären.
Beratung bei der zuständigen Stelle
Vereinbaren Sie einen Termin bei Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Rentenversicherung. Gehen Sie gut vorbereitet hinein: Zeigen Sie, warum der neue Beruf zu Ihnen passt und welche Chancen er auf dem Arbeitsmarkt hat.
Eignung klären
Häufig wird vorab geprüft, ob Sie für den Beruf geeignet sind – etwa durch einen Eignungstest oder ein Gutachten. Bei gesundheitlichen Einschränkungen spielt auch die körperliche Belastbarkeit eine Rolle.
Bildungsträger oder Betrieb finden
Mit einem Bildungsgutschein wählen Sie einen zugelassenen Träger. Für eine betriebliche Umschulung bewerben Sie sich direkt bei Unternehmen – mit einer aussagekräftigen Bewerbung.
Durchhalten und Abschluss machen
Eine Umschulung ist intensiv, denn Sie lernen den Stoff in kürzerer Zeit. Planen Sie feste Lernzeiten ein und nutzen Sie Lerngruppen und Unterstützungsangebote Ihres Trägers.
Nicht immer muss es eine Umschulung sein
Teilqualifizierung
Sie erwerben den Berufsabschluss Schritt für Schritt in einzelnen Modulen und können zwischendurch arbeiten. Jedes abgeschlossene Modul wird bescheinigt – häufig in einem Qualifizierungspass, der Ihre Fortschritte dokumentiert und auch bei Bewerbungen als Nachweis dient. Teilqualifizierungen sind oft über einen Bildungsgutschein förderfähig.
Externenprüfung
Wer schon lange in einem Beruf arbeitet, kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Ausbildung zur Abschlussprüfung zugelassen werden – in der Regel nach dem Eineinhalbfachen der regulären Ausbildungszeit im Beruf.
Validierungsverfahren
Seit 2025 können Berufserfahrene ihre im Job erworbenen Kompetenzen bei der zuständigen Kammer feststellen und bescheinigen lassen – auch ohne formalen Abschluss.
Quereinstieg
Manche Arbeitgeber stellen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ein und qualifizieren sie im Job. Auch der Quereinstieg ins Lehramt ist ein eigener Weg mit Landesregeln – er ist keine Umschulung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes.
Mehr zu Lehrgängen, Aufstiegsfortbildungen und Lernformen lesen Sie in meinem Ratgeber Fort- und Weiterbildung.
So überzeugen Sie mit Ihrer Bewerbung um einen Umschulungsplatz
Den Wechsel erklären
Erklären Sie im Anschreiben kurz und positiv, warum Sie sich neu orientieren – und warum gerade dieser Beruf. Gesundheitliche Details müssen Sie dabei nicht offenlegen.
Erfahrung als Stärke zeigen
Zuverlässigkeit, Kundenkontakt, Organisationstalent oder Teamarbeit: Viele Fähigkeiten aus Ihrem bisherigen Berufsleben sind auch im neuen Beruf wertvoll. Heben Sie diese im Lebenslauf hervor.
Initiative ergreifen
Betriebliche Umschulungsplätze werden selten ausgeschrieben. Mit einer Initiativbewerbung sprechen Sie Betriebe gezielt an – idealerweise mit dem Hinweis, dass die Umschulung gefördert wird.
Gut vorbereitet ins Gespräch
Rechnen Sie mit Fragen zu Ihrer Motivation und Ihrem Durchhaltevermögen. Tipps dazu finden Sie in meinem Ratgeber zum Vorstellungsgespräch.