Expertentipps · Vorstellungsgespräch

Verhalten im Vorstellungsgespräch: So gelingt der erste Eindruck

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Von der Begrüßung über die Sitzposition bis zur Körpersprache: Ich zeige Ihnen, wie Sie im persönlichen Kontakt sicher und sympathisch auftreten – ohne sich zu verstellen.

Wie macht man einen guten ersten Eindruck?

Jetzt ist es so weit: Ihr Gegenüber kommt auf Sie zu. Die ersten Sekunden zählen.

  • Aufstehen und zuwenden: Stehen Sie auf, sobald Sie abgeholt werden, schauen Sie Ihr Gegenüber an und lächeln Sie.
  • Den Handschlag abwarten: Die Begrüßung geht in der Regel von der gastgebenden Person aus. Reicht Ihr Gegenüber Ihnen die Hand, erwidern Sie den Händedruck fest, aber nicht zu kräftig.
  • Kein Handschlag? Kein Problem: Nicht jeder Mensch gibt die Hand – aus gesundheitlichen, persönlichen oder kulturellen Gründen. Ein freundlicher Blick und ein Nicken sind dann genauso höflich.
  • Mit Namen begrüßen: Sprechen Sie Ihr Gegenüber mit Namen an. Haben Sie den Namen nicht verstanden, fragen Sie ruhig höflich nach – das ist besser als ein falscher Name.
  • Kurzer Small Talk: Auf dem Weg zum Besprechungsraum ergibt sich oft ein kurzes Gespräch über die Anreise. Antworten Sie freundlich und kurz – ohne Klagen über Stau oder Wetter.
Beispiel für die Begrüßung

„Guten Tag, Frau Musterfrau. Vielen Dank für die Einladung – ich freue mich auf unser Gespräch.“

Richtig Platz nehmen

Platz anbieten lassen

Setzen Sie sich erst, wenn Sie dazu aufgefordert werden – am besten zeitgleich mit Ihrem Gegenüber.

Die richtige Position

Haben Sie die Wahl, setzen Sie sich so, dass Sie Ihr Gegenüber gut ansehen können – gegenüber oder über Eck, nicht an die Stirnseite.

Mappe auf den Tisch

Ihre Mappe legen Sie geschlossen vor sich auf den Tisch. So haben Sie Notizen und Unterlagen griffbereit.

Tasche & Jacke

Eine kleine, schlichte Tasche stellen Sie neben den Stuhl oder hängen sie über die Lehne – zügig und ohne großes Hantieren. Mehr zum passenden Auftreten unter Dresscode.

Getränk: am besten Wasser

Wird Ihnen etwas angeboten, ist Wasser die beste Wahl. Es hält die Stimme geschmeidig. Alkohol lehnen Sie freundlich ab.

Keine Barrieren

Stellen Sie Glas, Flasche oder Stifte seitlich ab – nicht als „Mauer“ zwischen sich und Ihr Gegenüber. Das wirkt offener.

Der erste Eindruck entsteht in Sekunden – echt wirkt er nur, wenn Sie sich treu bleiben.

Persönlich. Wertschätzend. Auf Augenhöhe. Carolin Krohmer

Souverän ins Gespräch

Ein Vorstellungsgespräch ist ein Dialog auf Augenhöhe – kein Verhör.

01

Redeanteil gut verteilen

Sie haben in der Regel den größeren Redeanteil, sollten das Gespräch aber nicht an sich reißen. Lassen Sie Raum für Fragen und Reaktionen.

02

Auf den Punkt antworten

Holen Sie nicht zu weit aus. Strukturierte Antworten mit einem konkreten Beispiel überzeugen mehr als lange Erklärungen. Übung bieten meine Fragen und Antworten.

03

Klare Sprache

Verzichten Sie auf Füllwörter wie „ich sag mal“ oder „na ja“, auf Kraftausdrücke, Szenesprache und Fachbegriffe, die Sie nicht sicher erklären können.

04

Ruhiges Sprechtempo

Nervosität macht schnell. Sprechen Sie bewusst etwas langsamer und deutlich – ohne schleppend zu wirken. Kurze Pausen vor einer Antwort sind völlig in Ordnung.

05

Aktiv zuhören

Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden, nicken Sie, greifen Sie Gesagtes auf. Wer gut zuhört, antwortet passender.

06

Nachfragen erlaubt

Haben Sie eine Frage nicht verstanden, fragen Sie höflich nach. Das ist besser, als aneinander vorbeizureden.

Wie setzt man sich richtig hin?

Ihre Körpersprache spricht mit – oft lauter als Worte. Diese Punkte helfen Ihnen, offen und selbstbewusst zu wirken.

  • Aufrecht sitzen: Nutzen Sie die ganze Sitzfläche, lehnen Sie sich leicht an und bleiben Sie dem Gespräch zugewandt. Nicht zu weit zurücklehnen und nicht mit dem Stuhl kippeln.
  • Ruhige Hände: Legen Sie die Hände locker auf den Tisch oder in den Schoß. Unterstreichende Gesten sind erlaubt. Hilft es Ihnen, halten Sie einen Stift für Notizen – fragen Sie vorher kurz, ob Mitschreiben in Ordnung ist.
  • Offene Haltung: Verschränkte Arme können abweisend wirken. Halten Sie Ihre Haltung offen und entspannt.
  • Füße auf dem Boden: Gerade bei einem Glastisch wirkt es ruhiger, wenn beide Füße entspannt auf dem Boden stehen.
  • Blickkontakt: Schauen Sie Ihr Gegenüber an, ohne zu starren. Sitzen mehrere Personen am Tisch, beziehen Sie alle mit Ihrem Blick ein – auch die, die gerade nicht fragen.
  • Lächeln: Ein ehrliches Lächeln zur Begrüßung und an passenden Stellen wirkt sympathisch und entspannt auch Sie selbst.

Mein Rat: Regeln geben Sicherheit, aber verstellen Sie sich nicht. Personalverantwortliche möchten Sie als Mensch kennenlernen. Wer authentisch bleibt und dabei auf ein paar Grundregeln achtet, wirkt am überzeugendsten.

Und beim Vorstellungsgespräch per Video?

Auch vor der Kamera zählt der erste Eindruck. Statt Händedruck gibt es ein freundliches Lächeln in die Kamera, und Blickkontakt entsteht, wenn Sie beim Sprechen in die Linse schauen. Tipps zu Licht, Ton und Hintergrund finden Sie auf meiner Seite Telefoninterview und Videointerview.

Wie Sie sich inhaltlich vorbereiten, lesen Sie unter Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch und Recherche über den Arbeitgeber.

Fragen zum Verhalten im Vorstellungsgespräch

Wer reicht im Vorstellungsgespräch zuerst die Hand?

In der Regel geht die Begrüßung von der gastgebenden Person aus. Warten Sie also ab, ob Ihr Gegenüber Ihnen die Hand reicht, und erwidern Sie den Händedruck dann fest, aber nicht zu kräftig. Verzichtet Ihr Gegenüber auf den Handschlag, genügen ein freundlicher Blick, ein Lächeln und ein Nicken.

Was tue ich, wenn ich vor Nervosität einen Blackout habe?

Das passiert vielen und ist kein Beinbruch. Atmen Sie einmal ruhig durch, trinken Sie einen Schluck Wasser und sagen Sie offen: „Einen Moment, ich möchte kurz meine Gedanken sortieren.“ Hilft das nicht, bitten Sie darum, die Frage noch einmal zu hören, oder kommen Sie später darauf zurück. Ein souveräner Umgang mit einem Hänger wirkt oft sympathischer als eine perfekte Antwort.

Wie viel sollte ich im Vorstellungsgespräch reden?

In der Regel haben Sie den größeren Redeanteil, denn Ihr Gegenüber möchte Sie kennenlernen. Antworten Sie aber kompakt: Ein bis zwei Minuten pro Antwort sind meist ein guter Richtwert. Achten Sie auf die Reaktionen Ihres Gegenübers und lassen Sie Raum für Nachfragen.

Wo setze ich mich im Besprechungsraum hin?

Warten Sie, bis Ihnen ein Platz angeboten wird. Wird Ihnen die Wahl gelassen, setzen Sie sich so, dass Sie Ihr Gegenüber gut ansehen können – idealerweise gegenüber oder über Eck, nicht an die Stirnseite des Tisches.

Carolin Krohmer, Bewerbungs- und Karrierecoachin

Den ersten Eindruck gemeinsam üben

Wie wirke ich auf andere? In meinen Coachings üben wir Ihr Vorstellungsgespräch realistisch – mit ehrlichem Feedback zu Auftreten, Körpersprache und Antworten aus Sicht einer erfahrenen Personalentscheiderin. Auf Wunsch auch im Rahmen eines AVGS-Coachings. Mehr über mich erfahren Sie hier.