Wenige, passende Fakten
Wählen Sie zwei bis drei Punkte aus, die für die Stelle relevant sind – statt alles aufzuzählen, was Sie gelesen haben.
Kaum eine Frage kommt im Vorstellungsgespräch so zuverlässig wie diese. Wer gut recherchiert hat, zeigt echtes Interesse und hebt sich ab. Ich zeige Ihnen, wo Sie die wichtigsten Informationen finden und wie Sie sie überzeugend einsetzen.
Aus meiner Erfahrung als Personalentscheiderin weiß ich: Viele Bewerberinnen und Bewerber kommen nur unzureichend informiert zum Vorstellungsgespräch. Dabei gehört diese Frage zu den wichtigsten für Personalverantwortliche. Sie wollen wissen: Haben Sie sich wirklich mit dem Unternehmen beschäftigt und möchten gezielt hier arbeiten – oder ist es eine von vielen Bewerbungen?
Nicht selten lehnt sich Ihr Gegenüber entspannt zurück und lässt Sie einfach erzählen, was Sie über das Unternehmen wissen. Mit einer guten Recherche tappen Sie hier nicht in die erste Falle, sondern sammeln gleich zu Beginn Pluspunkte. Außerdem hilft Ihnen das Wissen, eigene Fragen zu stellen und Ihre Motivation glaubwürdig zu begründen.
Nutzen Sie mehrere Quellen – so entsteht ein rundes und realistisches Bild.
Ihr erster Anlaufpunkt: Leistungen, Leitbild, Standorte, Team, Benefits und oft ein Pressebereich mit aktuellen Meldungen.
Eine Nachrichtensuche nach dem Firmennamen, Wirtschaftsmedien und Branchenportale zeigen aktuelle Entwicklungen, Projekte und Herausforderungen.
Größere Unternehmen veröffentlichen Geschäfts- oder Nachhaltigkeitsberichte. Grunddaten finden Sie zudem im Unternehmensregister und Jahresabschlüsse oft im Bundesanzeiger.
Unternehmensprofile auf LinkedIn, Instagram oder YouTube vermitteln Einblicke in Kultur, Projekte und Personen. Achten Sie auch auf Beiträge von Mitarbeitenden.
Plattformen wie kununu oder Glassdoor zeigen Erfahrungen von (ehemaligen) Mitarbeitenden. Lesen Sie sie kritisch: Einzelne Bewertungen sind subjektiv – entscheidend ist das Gesamtbild.
Kennen Sie jemanden im Unternehmen oder in der Branche? Ein kurzes Gespräch, ein Messebesuch oder eine Karriereveranstaltung liefern oft die wertvollsten Einblicke.
Mein Rat zu KI-Tools: ChatGPT & Co. können helfen, Informationen zu bündeln. Die Antworten können aber veraltet oder schlicht falsch sein. Prüfen Sie jede Angabe anhand der Originalquelle. Mehr dazu auf meiner Seite KI und die Bewerbung.
Echtes Interesse zeigt sich am besten durch gutes Wissen über Ihr Gegenüber.
Diese Punkte sollten Sie vor dem Gespräch kennen – notiert auf einer Seite, die Sie auch in Ihre Gesprächsmappe legen können.
Fakten aufzuzählen reicht nicht. Überzeugend wird Ihre Antwort, wenn Sie Wissen und Motivation verbinden.
Wählen Sie zwei bis drei Punkte aus, die für die Stelle relevant sind – statt alles aufzuzählen, was Sie gelesen haben.
Zeigen Sie, warum Sie gerade das anspricht und wie Ihre Erfahrung dazu passt. So wird aus Wissen Motivation.
Eine interessierte Rückfrage zu einer aktuellen Entwicklung macht aus Ihrer Antwort ein Gespräch.
Wissen Sie etwas nicht genau, sagen Sie es offen. Halbwissen oder geschönte Aussagen fallen schnell auf.
„Ich weiß, dass Sie als Familienunternehmen seit über 40 Jahren Verpackungslösungen für die Lebensmittelindustrie entwickeln und inzwischen an drei Standorten in Deutschland vertreten sind. Besonders angesprochen hat mich, dass Sie konsequent auf recycelbare Materialien umstellen – genau in diesem Bereich konnte ich in meiner letzten Position Erfahrungen sammeln. Wie weit sind Sie mit dieser Umstellung aktuell?“
Erstellen Sie aus Ihrer Recherche eine kurze Liste mit Fragen an das Unternehmen. Das belegt Ihr Interesse und hilft Ihnen gleichzeitig, wichtige Informationen zu Aufgaben, Team und Arbeitsumfeld zu sammeln. Gute Fragen beziehen sich auf etwas, das Sie herausgefunden haben, zum Beispiel:
Kennen Sie den Namen Ihres Gegenübers, lohnt ein Blick in dessen berufliches Profil bei LinkedIn oder XING. So wissen Sie, mit wem Sie sprechen, welche Rolle die Person hat und welchen beruflichen Hintergrund sie mitbringt. Das nimmt dem Gespräch etwas vom Unbekannten – und vielleicht finden Sie einen fachlichen Anknüpfungspunkt.
Bleiben Sie dabei professionell: Beziehen Sie sich nur auf berufliche Inhalte wie Fachbeiträge, Vorträge oder Projekte. Private Social-Media-Kanäle und persönliche Details sind tabu. Beachten Sie außerdem, dass Profilbesuche je nach Einstellung für die andere Person sichtbar sind – das ist in der Regel kein Problem und zeigt Interesse.
„Ich habe Ihren Beitrag auf LinkedIn zur Digitalisierung im Vertrieb gelesen. Genau dieses Thema hat mich an der Stelle besonders interessiert.“
Wie Sie sich darüber hinaus auf das Gespräch vorbereiten, lesen Sie unter Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch und bei meinen Fragen und Antworten im Vorstellungsgespräch.
Nennen Sie zwei bis drei zentrale Fakten – etwa Leistungsangebot, Größe oder eine aktuelle Entwicklung –, verbinden Sie diese mit Ihrer Motivation und Ihrer Erfahrung und schließen Sie gerne mit einer interessierten Rückfrage. Lesen Sie nicht einfach Zahlen auf, sondern zeigen Sie, warum das Unternehmen zu Ihnen passt.
Für ein Vorstellungsgespräch sind etwa ein bis zwei Stunden gut investiert. Wichtiger als die Menge ist, dass Sie die wesentlichen Punkte verstanden haben und sie mit Ihrer eigenen Motivation verknüpfen können.
Ja, berufliche Profile sind öffentlich und dafür gedacht. Beachten Sie aber, dass Profilbesuche je nach Einstellung angezeigt werden. Private Social-Media-Kanäle sind dagegen tabu und gehören nicht ins Gespräch.
Als erste Orientierung ja, etwa um Informationen zusammenzufassen. KI-Antworten können aber veraltet oder falsch sein. Prüfen Sie jede Angabe anhand der Unternehmenswebsite oder seriöser Quellen.
In meinen Coachings üben wir genau solche Fragen wie „Was wissen Sie über uns?“ – realistisch und mit ehrlichem Feedback aus Sicht einer erfahrenen Personalentscheiderin. Auf Wunsch auch im Rahmen eines AVGS-Coachings. Mehr über mich erfahren Sie hier.